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Vom Wunsch einen Hund zu besitzen
Der Hund gilt als bester Freund des Menschen. Dies ist er auch unbestritten. Leider ist der Mensch nicht der beste Freund des Hundes und man kann beobachten, wie zum einen die gesellschaftliche Akzeptanz von Hunden und ihrer Haltung immer mehr abnimmt und zum anderen der Hund zum Konsumartikel wird, der beim nicht (mehr) Funktionieren einfach weggeworfen wird.
In den dicht besiedelten Gebieten, die in Deutschland vorherrschen, ist die Hundehaltung nicht ganz unproblematisch. Für Städter ist der tägliche Spaziergang mit dem Hund häufig mit einer Anreise zu einem Auslaufgebiet verbunden oder von “Leinenhaft” für den Hund gekennzeichnet. Für beide selten eine befriedigende Situation. Auch der Spaziergang in Wald, Feld und Flur wird immer strenger durch Gesetze oder Konventionen reglementiert. Landwirte schätzen die Verunreinigung ihrer Felder durch Hundekot, seit über mögliche Krankheitserreger in Hundekot spekuliert wird, nicht, ebenso reagieren Jagdpächter und Förster häufig negativ auf freilaufende Hunde in ihrem Revier. Jogger, Radfahrer und Wanderer - neuerdings auch Walker - fühlen sich von angeleinten wie nicht angeleinten Hunden bedroht und gestört. Aber teilweise sind diese ablehnenden Reaktionen leider nicht unbegründet, sondern das Ergebnis des Verhaltens einiger weniger rücksichtsloser Hundebesitzer, die ihren “Der-tut-nichts”, “Der-will-doch-nur-spielen” oder “Das-hat-er-aber-noch-nie-gemacht” nicht im Griff haben.
Der Wunsch ein Tier zu besitzen, ist jedoch gerade im Zuge der Technisierung unseres Alltags auf der anderen Seite bei vielen Menschen weit verbreitet. Die Beziehung zu einem Hund ist seit Jahrtausenden wohl die intensivste Beziehung zu einem Haustier überhaupt und lässt sich in ihrer Qualität höchstens mit der Beziehung zu Katzen oder Pferden vergleichen. Wenn schon ein Haustier, dann soll es meist ein Hund sein. Doch einen Hund zu halten, bedeutet nicht nur mit einer Umwelt klar zu kommen, die Hunde ablehnt, sondern auch die Bedürfnisse des Vierbeiners in dieser Umwelt zu befriedigen. Und das ist nicht immer so einfach.
Leider wählen viele Hundefreunde ihren vierbeinigen Gefährten nicht unter dem Gesichtspunkt aus, ob sie seine Bedürfnisse befriedigen können, sondern, ob der Hund ihnen und ihrem Image gefällt. Dies führt dann zum Husky in der Zwei-Zimmer-Wohnung Innenstadt-Lage, der während er über 8 Stunden am Tag alleine ist, die Einrichtung zerlegt, Unsauber ist (wer kann hält schon gerne so lange ein, egal wie sauber er sonst ist) oder die Nachbarschaft mit Wolfsheulen unterhält. Auch immer wieder gerne als Begleit- oder Familienhund missbraucht, werden Border Collies als neue Modehunde, weil omnipräsent in der Werbung. Diese Vollblutarbeitshunde fühlen sich sogar bei einer Haltung, die einen “normalen” Hund gut auslastet, häufig unterfordert, so dass ihre Haltung als Familien-/Begleithund meistens damit endet, dass sie schnappend die Kinder der Familie, Bälle, Autos, Jogger oder Fahrräder hüten, eine Neigung zum Wildern entwickeln und aggressiv gegen Mensch und Tier werden können. In einigen Fällen bildet sich ein selbstzerstörerisches Verhalten aus, wie Aufbeißen/-lecken von den Pfoten oder dem Schwanz. Sehr beliebt ist auch der Golden oder Labrador Retriever, der als Familienhund mit ‘ner halben Stunde Gassi am Tag nebenher läuft und als geborener Arbeitshund langsam verblödet, fett und sogar artuntypisch aggressiv gegen Mensch und Tier wird. Meistens leiden diese Tiere jedoch stumm, da sie sehr gutmütig sind, und werden auch noch als glücklicher Spielpartner der Kinder missinterpretiert und -verstanden, weil sie resigniert haben.
Das Ergebnis der irrationalen Entscheidungen für die Hundehaltung generell oder die Haltung einer bestimmten Rasse oder Hundetypes kann in den vielen Tierheimen bestaunt werden oder rückt durch medienwirksame Beißunfälle in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.
Wer jedoch ernsthaft darüber nachdenkt, ob ein Hund der richtige Partner für sich oder seine Familie ist, der kommt nicht drum herum sich selbst hart zu prüfen.
Bin ich zur Hundehaltung geeignet?
Generell sollte man sich über folgende Punkte im Klaren sein:
- Kein Hund sollte länger als 4 Stunden am Stück und 6 Stunden insgesamt am Tag alleine sein, auch dann, wenn er noch einen anderen vierbeinigen Kumpel zur Gesellschaft hat, sollte es nicht viel mehr “Einsamkeit” sein.
- 1 bis 2 Stunden am Tag muss sich jeder Hund draußen bewegen können. Das Bewegungsbedürfnis hängt dabei jedoch auch viel von dem Hundetyp/der Rasse und dem Alter ab. Ein Schäferhund läuft zum Beispiel gerne weite und lange Strecken im Trab (Joggen, Fahrradfahren mit seinem Menschen) während Whippets als Sprinter gerne kurze intensive Sprints im Renngalopp hinlegen. Englische Bulldoggen dagegen schätzen eher gemächliche “Schnüffeltouren”, die durch einen kurzen Schweinsgalopp unterbrochen werden können. Die zu investierende Zeit kann bei verschiedenen Hundetypen so gleich lang sein, während jedoch die Streckenlänge und Geschwindigkeit variieren.
- Ein Hund will bei seinen Menschen sein und braucht Ansprache bzw. Beschäftigung, diese sollte er durch Streicheln, Spiel und Sport mindestens 1 bis 2 Stunden am Tag ungeteilt genießen dürfen. Auch das Beschäftigungsbedürfnis hängt vom Hundetyp ab. Ein Arbeitshund stellt größere Ansprüche als andere Hundetypen sowohl was die Qualität als auch die Quantität der Beschäftigung betrifft. Retriever apportieren und Schwimmen zum Beispiel für ihr Leben gerne, während ein Beagle als Nasenhund lieber Fährten sucht.
- Ein Hund kostet Geld! Ein Rassehund aus einer seriösen Zucht kostet in der Regel mindestens 700 €. “Rasse”hunde, die weit unter diesem Preis angeboten werden, sind in der Regel unter tierquälerischen Bedingungen in Masse produziert worden und häufig weder körperlich noch geistig gesund. Ein Hund aus dem Tierheim kostet weniger, da hier niemand an Profit , sondern der guten Vermittlung des Tieres interessiert ist. Hunde müssen regelmäßig einmal im Jahr beim Tierarzt geimpft und entwurmt werden (rund 120 €), es fallen Gelder für Steuern, Versicherung und Futter an. Darüber hinaus können durch Unfälle und Erkrankungen auch weitere Tierarzt-Kosten auftreten, die sich über 1.000 € und mehr im Jahr bewegen können. Nur wer bereit ist sein Tier “koste es, was es wolle” gesundheitlich versorgen zu lassen, sollte sich für einen Hund entscheiden.
- Ein Hund kostet Nerven! Ein Hund “funktioniert” nicht immer so, wie man es sich wünscht. Manche Hunde vertragen Autofahren nicht oder entwickeln Aggressionsverhalten (gleichgeschlechtlichen) Artgenossen gegenüber oder Bewachen Haus und Familie so gut, dass sie Besuch nicht mehr herein lassen. Um die Macken, die ein Hund entwickeln kann zu beseitigen muss man Zeit, Mühe und bei professioneller Hilfe auch Geld aufwenden. Selbst dann kann es sein, dass nicht jedes Fehlverhalten korrigiert werden kann. Dies kann dann dazu führen, dass man sein Leben gehörig umkrempeln muss. Nur wenn man bereit ist auch so ein Opfer zu bringen, sollte man sich für einen Hund entscheiden (In guten wie in schlechten Zeiten).
- Ein Hund macht Dreck und kann auch laut sein.
- Hunde können Allergien auslösen.
- Hunde sind nicht bei jedem Vermieter oder Wohngemeinschaft willkommen. Bevor ein Hund angeschafft wird, muss am besten schriftlich vom Vermieter die Erlaubnis für die Hundehaltung eingeholt werden.
- Kinder unter 12 Jahre und Hunde dürfen nicht ohne Aufsicht gelassen werden. Kind und Hund können die besten Freunde sein, doch häufig sind Kinder nicht in der Lage Signale des Hundes richtig zu interpretieren (Hund knurrt, wenn er sich vom Kind bedrängt fühlt) und verhalten sich falsch (das Kind ignoriert das Knurren), so dass es zu lebensgefährlichen Verletzungen des Kindes kommen kann, selbst wenn der Hund sehr mäßig auf kindliches Fehlverhalten reagiert (der Hund reagiert mit einem sanften Schnauzenstoß mit geöffnetem Maul Richtung Kind in Gesichtshöhe oder Abwehrschnappen ins Gesicht des Kindes da es sich durch seine Körpergröße auf Augenhöhe befindet). Im umgekehrten Fall sind Kinder häufig so egozentrisch, so dass sie die Bedürfnisse des Hundes nicht wahrnehmen und ihn als Spielzeug missbrauchen, was zu vom Kind selten beabsichtigen tierquälerischen Taten führen kann (Hund herumtragen, Puppenkleidung anziehen, auf dem Hund reiten). Der Hund erleidet dadurch psychische und auch physische Schmerzen, auch wenn er sich nicht “verteidigt”, weil er ja so gut mütig ist, ist es dem Hund gegenüber unverantwortlich ihm der Willkür eines Kindes auzusetzen. Je kleiner das Kind, desto größer die Gefahr für beide.
- Unter 14 Jahre sollte kein Jugendlicher alleine mit einem Hund spazieren gehen. Kinder sind häufig nicht in der Lage Gefahrensituationen einzuschätzen. Der Hund wird zum Beispiel in Situationen nicht angeleint, obwohl es nötig wäre. Ein großer, schwerer Hund lässt sich nicht unbedingt von einem Kind festhalten, wenn er entschieden hat, dass er an einen bestimmten Ort gelangen möchte. Es sind jedoch nicht nur die Gefahren, die vom eigenen Hund ausgehen können, sondern auch die, die durch andere verursacht werden, obwohl sich Kind und Hund korrekt verhalten. Der Hund wird zum Beispiel von einem anderen Hund attackiert. Es ist für ein Kind nicht zumutbar, in einer Hundebeißerei verwickelt zu sein. Gerade hier ist besondere Vorsicht geboten, da Hunde in solchen Situationen unkontrolliert um sich beißen können. Instinktiv versucht man als Hundehalter dazwischen zu gehen und bringt sich dabei in große Gefahr selbst gebissen zu werden, so dass man sich dazu zwingen muss, sich heraus zu halten. Ein Kind ist unter Umständen nicht in der Lage so zu reagieren.
- Ein Hund ist keine Kinderspielzeug! Die Verantwortung für einen Hund liegt bei den Erwachsenen. Kinder sind der vollen Verantwortung für einen Hund in der Regel nicht gewachsen. Nur wer als Erwachsener selbst einen Hund haben möchte und bereit dazu ist, für ihn zu sorgen, sollte einen Familienhund anschaffen.
- Urlaube müssen den Hund berücksichtigen. Nicht an jeden Urlaub kann der Hund teilnehmen und muss dann in dieser Zeit gut untergebracht werden.
- Im Krankheitsfall des Besitzers muss der Hund versorgt sein.
- Der Hund ist ein Rudeltier. Alle Familienmitglieder müssen sich auf das Abenteuer Hund einlassen wollen. Hat ein Familienmitglied Angst vor Hunden oder lehnt Hunde ab, dann kann dies zu (Aggressions-)Problemen mit dem Hund führen.
- Der Hund muss zu mir passen! Man sollte einen Hund, Hundetyp oder eine Hunderasse wählen, dessen/deren Bedürfnisse dem entsprechen, was ich als Besitzer befriedigen kann. Wer ungerne joggt, sollte einen weniger bewegungsfreudigen Hund wählen. Wer häufig Besuch bekommt, sollte keinen Hund mit starkem Territorialverhalten wählen. Wer in einem Mietshaus wohnt sollte keinen bellfreudigen Vierbeiner aufnehmen. Die optische Erscheinung eines Hundes, Modetrends oder “so ein Gefühl” sollte daher niemals das Kriterium sein, weshalb man einen bestimmten Hund zum Gefährten wählt. Entscheidend ist, was der Hund braucht und ob ich es ihm bieten kann und ob meine Lebenswelt zu den Eigenschaften passt, die der Hund hat.
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