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Vogelspinnen

Vogelspinnen als Haustiere

Vogelspinnen sind keine Haustiere für jedermann! Es sind wilde, ungezähmte Tiere, die sich unter gar keinen Umstände als Schmusetiere eignen oder “Freilauf” in der Wohnung wünschen. Die Beschäftigung mit dem Tier beschränkt sich auf Beobachten, Füttern und Terrarium in Schuss halten. Damit sich die Vogelspinne wohl fühlt benötigt sie für sich alleine (Kannibalismus!) ein Terrarium, das weder zu klein noch zu groß sein sollte (als Standardwerte haben sich für mittelgroße, bodenbewohnende Vogelspinnen Terrarien in der Größe 30 cm breit und tief bei einer Höhe von 20 cm bewiesen bzw. für baumbewohnende Vogelspinnen sollte das Terrarium 10 cm höher sein. Je nach Größe und Eigenschaften der Spinne können diese Standardwerte variieren). Je nach Lebensraum und Tageszeit muss das Terrarium über entsprechende Beleuchtung und Beheizung (Tageslichtlampen, Strahler, Heizmatten) auf Temperaturen zwischen 20°C und 30°C gehalten werden, bei Winterruhe haltenden Tieren auch abgesenkt werden. Durch Befeuchtung muss auch je nach natürlichem Vorkommen des Tieres die relative Luftfeuchtigkeit auf bis zu 90% geregelt werden. Die Einrichtung des Terrariums ist ebenfalls vom natürlichen Lebensraum der Spinne abhängig. Als Bodengrund wird meistens auf Blumenerde und/oder Erd-Lehm- oder Erd-Grober-Sand-Gemische zurück gegriffen. Korkrinde eignet sich gut für Verstecke. Lebende Pflanzen sind meistens schwierig in den kleinen Spinnen-Terrarien zu pflegen, tragen aber zu einem guten Klima bei. Vogelspinnen sind Raubtiere. Sie ernähren sich von anderen lebenden Tieren und benötigen keine pflanzliche Nahrung oder andere Zusätze. Der Terraristik-Fachbedarf bietet eine Vielzahl von Futtertieren. Am häufigsten werden Heimchen, Grillen, Heuschrecken und Schaben in ihren verschiedenen Lebensstadien und Größen verfüttert. Seltener werden Mehlwürmer (hoher Fettgehalt), Rosenkäferlarven oder Rosenkäfer an Vogelspinnen gegeben. In der freien Wildbahn ernähren sich Vogelspinnen auch von kleinen Säugern wie ausgewachsenen Mäusen, deren Babys auch gerne im heimischen Terrarium von großen Vogelspinnen gefressen werden, oder Fröschen, Lurchen, Schlangen (Eine Theraphosa blondi ist in der Lage eine 1 Meter lange Schlange zu vertilgen!) oder auch Echsen (wir verzichten aus verschiedenen Gründen auf die Gabe von Säugern, Amphibien oder Reptilien an unsere Tiere). Das Verfüttern von lebenden Tieren meist Insekten und die Aufbewahrung von diesen Futtertieren ist zwingend notwendig für die Pflege einer Vogelspinne, wer sich davor ekelt oder es nicht übers Herz bringt, der sollte auf die Haltung einer Spinne (und vieler anderer Terrarientiere) verzichten. Das Terrarium muss von Futterresten und Kot befreit werden, sobald diese anfallen. Manchmal muss der Bodengrund ausgetauscht werden. Eine komplette Reinigung mit neuer Einrichtung des Terrariums ist dann oft erst alle 1 bis 3 Jahre nötig. Frisches Wasser sollte zusätzlich zur Befeuchtung des Terrariums zwecks optimaler Luftfeuchte jeden Tag gereicht werden.

Männliche Vogelspinnen leben nach Erreichen der Geschlechtsreife je nach Art zwischen 1/2 (z.B. Poeciloteria fasciata) und 5 Jahren (z.B. Grammostola rosea). Weibliche Vogelspinnen leben nach Erreichen der Geschlechtsreife je nach Art zwischen 12 (z.B. Avicularia metalica) und 30 Jahren (z.B. Brachypelma smithi). Neben der Artzugehörigkeit spielt auch die richtige Pflege natürlich eine wichtige Rolle und die Temperatur. Da der Stoffwechsel von Vogelspinnen temperaturabhängig ist, beschleunigen hohe Temperaturen den Stoffwechsel und die Alterung, während niedrige Temperaturen den Stoffwechsel und die Alterung verzögern können.

 

Vogelspinnen sind keine Insekten

Vogelspinnen werden in der Biologie folgendermaßen eingeordnet:

  • Stammgruppe: Articulata (Gliedertiere)
  • Stamm: Athropoda (Gliederfüßer)
  • Unterstamm: Chelicerata (Scherenfüßer)
  • Klasse: Arachnida (Spinnentiere)
  • Ordnung: Aranea (Webspinnen)
  • Unterordnung: Mygalomorphae (Vogelspinnenartige)
  • Familie: Theraphosidae (Vogelspinnen)
  • Unterfamilien: ...
  • (vgl. Klaas, Peter. 2003. Vogelspinnen. 2. neu bearb. Aufl. Ulmer: Stuttgart.)

    Vogelspinnen sind - wie alle Spinnen - keine Insekten, obwohl sie gerne mit Insekten in einem Atemzug genannt werden, und stehen verwandtschaftlich gesehen damit Skorpionen und Milben oder auch Zecken wesentlich näher als Wespen, Grashüpfern oder Bienen.

    B. auratum - Brennspiegel gut sichtbar vor der Häutung
    B.smithi bei der Häutung -  Chelizerenklauen gut sichtbar

    Vogelspinnengift ist nicht für Menschen tödlich

    Häufig hört man, dass Vogelspinnen giftig sind. Das ist in sofern richtig, da sie - wie alle Spinnen - über ein starkes für Insekten, kleine Säuger, Amphibien und Reptilien giftiges Verdauungssekret in ihren Giftdrüsen über ihren Beißwerkzeugen (Chelizeren-Klauen) verfügen. Auf Menschen hat dieses Gift jedoch in der Regel die selbe Wirkung wie das Gift von Wespen und Hornissen. Für alte Menschen, Kinder und Allergiker kann jedoch - ebenso wie Hornissen- und Wespenstiche auch ein Vogelspinnenbiss schlimmere Konsequenzen haben. “Normale” Menschen werden daran aber mit Sicherheit nicht sterben.

    Das Gift der Vogelspinnen ist noch nicht vollständig auf seine Wirkungen untersucht. Vogelspinnenhalter haben auch schon davon berichtet, dass das Gift der asiatischen Vogelspinnen wesentlich stärker sein soll, als das amerikanischer. Ein Grund dafür könnten die verschiedenen Verteidigungsstrategien von Asiaten und Amerikanern sein. 

    Wie sich Vogelspinnen verteidigen

    Alle Vogelspinnen können sich verteidigen, indem sie beißen. Viele gerade amerikanische Arten besitzen an ihrem Hinterleib jedoch viele feine, locker sitzende Härchen, die mit einer Juckreiz auslösenden Substanz überzogen sind. Diese Härchen nennt man “Brennhaare” und den Ort an dem sie sitzen “Brennspiegel” (siehe Abbildung oben - nach abstefen der Brennhaare). Wenn sich eine Vogelspinne mit Brennhaaren bedroht fühlt, dann wird sie zunächst der Bedrohung ihr Hinterteil entgegen strecken. Sollte das als Warnung nicht reichen, reibt sie mit ihren hintersten Laufbeinen mehrmals schnell über den Brennspiegel, wo durch die Härchen durch die Luft Richtung Bedrohung katapultiert werden. Wer die Härchen abbekommt, der verspürt einen lang anhaltenden Juckreiz an den Körperstellen, die von den Brennhaaren erreicht wurden. Besonders empfindlich reagieren Augen, Nasenschleimhaut, Mund und Atemwege auf die Brennhaare. Vogelspinnen, die sich so mit ihren Brennhaaren verteidigen, nennt man daher auch “Bombardierspinnen”. Viele Süd-amerikanischen baumbewohnenden Vogelspinnen “bombardieren” nicht, sondern kreisen nur ihren Hinterleib, wobei sich ihre Brennhaare lösen. Unkundige glauben dann oft, die Spinne strecke ihnen ihren “Po” entgegen, weil sie gekrault werden möchte. Ein böser Trugschluss! Vogelspinnen mit Brennhaaren bedienen sich in der Regel zu erst ihrer Brennhaare, wenn sie sich bedroht fühlen. Die Spinnen, die keine Brennhaare haben, wie asiatische oder afrikanische Vogelspinnen drohen meistens, indem sie Taster und die ersten Laufbeinpaare erheben und ihre Chelizeren-Klauen zeigen. Einige asiatische Vogelspinnen haben daher gelb-gemusterte Taster- und Beinunterseiten, die Feinden zeigen: “Ich bin giftig! Vorsicht!”. Manchmal stoßen dieses Spinnen dann schnell nach vorne und deuten einen Biss nur an, bevor sie “ernst machen”. In letzter Konsequenz beißen sie dann zu.

    Eine andere Möglichkeit zur Verteidigung nutzen Vogelspinnen, die über eine anatomische Besonderheit verfügen, so genannte Stridulationsborsten. Das sind feste Härchen, die durch Bewegung der Beine der Spinne ein lautes Zischgeräusch verursachen, was sehr abschreckend wirkt. Sehr selten und noch nie von uns beobachtet, soll es auch Vogelspinnen geben, die gezielt Kot ins Gesicht eines Angreifers spritzen, um sich zu verteidigen.

    Es gibt nicht “die” Vogelspinne, sondern viele verschiedene Unterfamilien und Arten in diesen Unterfamilien. Vogelspinnen kommen in den verschiedensten Ländern, Größen, Färbungen und Lebensräumen vor. Eine grobe Unterteilung nach Lebensräumen kann man vornehmen, indem man zwischen

  • baumbewohnenden,
  • bodenbewohnenden und
  • unterirdisch lebenden
  • Vogelspinnen unterscheidet.

     

    Alle Rechte vorbehalten. Zuletzt geändert am: 06.04.2007 Bitte beachten Sie unseren Haftungsausschluss und unsere Hinweise zum Urheberrecht.

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